Altötting-Wallfahrt: Die Anliegen vor die Gottesmutter gebracht

Auch die 49. Altötting-Wallfahrt, die in diesem Jahr hätte stattfinden sollen, musste aufgrund der Corona-Pandemie entfallen. Gläubige hatten die Möglichkeit, privat nach Altötting zu fahren und in der Bruder-Konrad-Kirche am Kappellplatz an der Pilgermesse teilzunehmen. „Ins Herzen Bayerns“, wie Pfarrer Jürgen Josef Eckl Papst Benedikt XVI. zitierte. „Zum Gnadenbild der Gottesmutter, vor dem schon so viele Generationen Trost und Hilfe erfahren durften.“ Die kleine Abordnung der Pfarreiengemeinschaft Pilsting/Großköllnbach hatte viele Fürbitten im Gepäck, die die Gläubigen hatten abgeben können. „Bitten, Sorgen, Nöte haben wir genug in diesen Tagen“, sagte Pfarrer Eckl. Zudem hatte die Delegation einen Rosenkranz dabei mit den Bitten und Hilfegesuchen, die die Gläubigen der Pfarreiengemeinschaft an Maria richteten. Vor der Bruder-Konrad-Kirche zeigte sich eine Szene, die diese Zeit prägt: Gläubige bekamen Platzkarten zugewiesen, ihre Hände wurden desinfiziert und sie wurden darauf hingewiesen, Abstand zu wahren. Ein krasser Kontrast zu den bisherigen Wallfahrten, bei denen sich hunderte Pilger dicht an dicht in die Sankt-Anna-Basilika durch den Eingang drängten. Wenige Gläubige hatten sich auf den Weg nach Altötting aufgemacht als „Botschafter“ derjenigen, die zu Hause bleiben wollten oder mussten. Organisiert wurde die Pilgermesse von Albert Pöschl, der mit seinen Pilgerführern normalerweise die Wallfahrt organisiert. „Diese Zeit hat uns sehr durcheinandergebracht und hat all das zerstört, von dem wir bisher meinten, es wäre sicher“, sagte Pfarrer Eckl in seiner Predigt. „Aber dass die Welt brüchig ist, das wollten wir lange nicht einmal denken.“ Die Menschheit täte sich schwer, sich diese Zerbrechlichkeit einzugestehen. „Die Schöpfung ächzt und stöhnt für alle sichtbar unter den Zumutungen der Menschen. Aber gestehen wir uns ein, dass es endlich Zeit ist zu handeln? Nein, immer mehr, immer größer, Hauptsache der Profit stimmt“, sagte er. „Plötzlich merken wir, wir stehen vor einem Scherbenhaufen unserer bisherigen Strukturen und Sicherheiten.“ Die Pandemie lege auch schmerzlich den Finger in die offenen Wunden der Gesellschaft, die sie sich selbst über Jahrzehnte zugefügt hat, fuhr er fort. „Der Egoismus, der Individualismus, die uns längst in eine schleichende Vereinsamung geführt haben, weil viele seit Langem nur mehr sich selber sehen, ihre eigene kleine Welt, die sie als absolut setzen“, sagte er. „Wir sind Schafe, die keinen Hirten haben“, leitete er über zum Evangelium dieses Sonntags. „Gottes Stimme ist leise, aber hörbar“ Es könne nicht besser auf die Situation der Menschheit passen, da es die Orientierungslosigkeit und die fehlende Perspektive beschreibe, die dieser Tage vorherrsche. Die verlorenen Schafe sind das Bild aus der Lebenswelt der Menschen damals, die der Evangelist Johannes verwendete. Kommt der Wolf, bricht Panik aus. „Die Schafe laufen kreuz und quer, zerstreuen sich und kommen vor Angst fast um“, erklärte er. „Sie blöken wild durcheinander und sind dem Unheil völlig ausgeliefert – gäbe es nicht den Hirten.“ Der Evangelist Johannes erzählte vom guten Hirten, vom Beschützer, der sich vor seine Herde stellt – von Jesus. „Mich lassen diese Sätze, liebe Schwestern und Brüder, aufatmen, gerade in den Belastungen unserer Zeit“, sagte Pfarrer Eckl. „Da ist trotz aller Bedrängnis und Unsicherheit, trotz aller Polyphonie, die uns in diesen Tagen entgegenschallt, die eine Stimme des Guten Hirten. Aber wir müssen sie hören.“ „Diese Stimme ist vielleicht leiser als die schrillen Schreie derer, die meinen die Wahrheit zu kennen und zweifellos sanfter, als das Protestblöken der zerstreuten Herde auf den Straßen und Plätzen“, sagte er und ergänzte: „Aber die, die seine Stimme kennen, werden auf ihn hören.“

(Fotos und Text: S. Melis)
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