/ Januar 31, 2020

Papst Franziskus segnet mit dem Evangeliar (vaticannews.va)

 

Predigt von Pfarrer Jürgen Josef Eckl zum 3. Sonntag im Jahreskreis

Sonntag des Wortes Gottes

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Zum ersten Mal dürfen wir heute am 3. Sonntag im Jahreskreis des Jahres 2020 den „Sonntag des Wortes Gottes“ feiern. Papst Franziskus hat ihn im Apostolischen Schreiben „Aperuit illis“ (30.09.2019) eingeführt, um damit die Wichtigkeit der Heiligen Schrift und unsere lebendige Beziehung zum Wort Gottes in Erinnerung zu rufen.

Die Bibel ist das meist verkaufte und wohl auch meist gelesene Buch der Welt. Und es ist schon faszinierend, wenn man bedenkt: Seit Jahrtausenden versammeln sich Menschen, um die Texte dieses Buches zu hören, über sie nachzudenken und sich zu fragen: Was bedeutet die Botschaft der Bibel für mich heute? Auch wir reihen uns ein in diese große zeitumspannende Versammlung, wenn wir bei diesem Gottesdienst wieder aus der Heiligen Schrift gelesen und gehört haben. Die große Chance, die uns der Heilige Vater mit dem Sonntag des Wortes Gottes auftut ist, dass wir unsere Aufmerksamkeit neu auf das Gehörte richten.

Die Lesungen aus dem Alten und Neuen Testament, das Evangelium, sie sind keine verstaubten Geschichten von gestern, bei denen man sich denken kann: „Alles schon einmal gehört! Das hat mir heute nichts zu tun.“ Nein! Wir hören da eine Botschaft für uns heute – eine Botschaft, die Gott für dich und mich hier und jetzt bereithält. „Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt“ (Lk 4,21), sagte Jesus zu Beginn seines öffentlichen Wirkens im Tempel. Und so erfüllt sich das Schriftwort auch heute für einen jeden von uns, wenn wir es aufnehmen, es betrachten und die Stimme Gottes hinter Buchstaben erkennen.

Natürlich kann ich mich auch dem Wort Gottes gegenüber bewusst oder unbewusst verschließen. Aber „die Schrift nicht kennen, heißt Christus nicht kennen“ (vgl. Dei Verbum Nr. 25), sagt der hl. Hieronymus. Wir sollen uns mit dem Wort Gottes vertraut machen, damit unser Herz nicht kalt bleibt und unsere Augen verschlossen, aber gleichzeitig dürfen wir uns an das Wort Gottes nie gewöhnen. Denn aus Gewohnheit kann schnell Gleichgültigkeit werden. Dann hören wir zwar, aber bleiben verschlossen für das Gesagte, blind für das Licht, das uns das Wort Gottes schenken möchte.

Lassen wir das Licht des Wort Gottes unter uns leuchten!

Eine Predigt soll im Idealfall auch genau dazu beitragen. Die soll nicht die Tagespolitik zum Inhalt haben, sondern das Wort Gottes. Und so ist auch die Hauptarbeit der Predigt jene, die man nicht sieht; nämlich sich mit großer Sorgfalt vorzubereiten, um mit wenigen, einfachen aber präzisen Worten das Wort Gottes zu erklären. Oder anders gesagt: Ein Prediger muss mit dem Herzen sprechen, um die Herzen der Zuhörer zu erreichen, damit das Wort der Heiligen Schrift „nicht als Menschenwort, sondern – was es in Wahrheit ist – als Gotteswort angenommen“ (1 Thess 2,13) wird.

Und so ist es auch die Pflicht der Lektoren, die den Dienst am Wort Gottes versehen, sich vorzubereiten, nicht einfach nur vorzulesen, sondern zu verkündigen, indem sie dem Wort Gottes ihre Stimme leihen, damit es die Menschen, die es hören berührt, ermutigt, tröstet und herausfordert. Das gelingt umso besser, je mehr Sie sich, liebe Schwestern und Brüder, auch im Vorfeld der Messfeier mit dem Wort Gottes auseinandersetzen. Dass die Schriftstellen des jeweiligen Sonntags in unserem Pfarrbrief abgedruckt sind – das war mir von Anfang an ein großes Anliegen – das hat ja den Sinn, dass man sich vielleicht doch hin und wieder ohne viel Mühe mit der Heiligen Schrift beschäftigt und so versucht mit Gott ins Gespräch zu kommen.

Denn, liebe Schwestern und Brüder, das ist das Wichtigste dabei: Zu wissen, dass Gott auch heute in der Heiligen Schrift zu den Menschen spricht. Dass er sich erfahren lässt, wo wir auf sein Wort hören und darauf antworten. Gottes Wort ist ein schaffendes, ein schöpferisches und befreiendes Wort. Gott macht keine leeren Worte! Der Mensch kann leben aus jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt (vgl. Mt 4,4); wie aus einer Quelle, die unser Leben tränkt und stärkt.

Verkennen wir nicht die schaffende, lebendig machende Macht des Wortes Gottes. Schöpfen wir vielmehr aus seiner Quelle. „Denn wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, ohne die Erde zu tränken und sie zum Keimen und Sprossen zu bringen, … so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, ohne zu bewirken, was ich will, und das zu erreichen, wozu ich es ausgesandt habe.“ (Jes 55,10f.)

Amen.